Nachts einen Mann-über-Bord-Fall zu managen ist eine der stressigsten Situationen an Bord — ich weiß das aus eigener Erfahrung. Die Dunkelheit verschlingt Sicht, Geräusche sind gedämpft, und jede Sekunde zählt. In diesem Artikel teile ich meine erprobten Strategien zur Wiederanbordnahme, welche Beleuchtungslösungen wirklich helfen und wie Schnittstellen zwischen Rettungsinseln (Life Rafts) beziehungsweise Rettungsflaschen/-systemen und dem Schiff optimiert werden können. Ich schreibe aus der Perspektive des praktischen Seglers, der sowohl auf Küstenpassagen als auch bei Nachtüberfahrten unterwegs war.
Mein erster Reflex: Stoppen, notieren, markieren
Wenn jemand nachts ins Wasser geht, ist der erste Schritt immer gleich: Boot stoppen und die Position merken. Ich werfe sofort das Fahrwerk in Neutral, mache das AIS MOB oder markiere die Position im Plotter und werfe einen Kursanker (falls vorhanden). Egal wie hektisch die Situation ist — eine markierte Position erhöht die Chance, die Person schnell wiederzufinden.
Praktische Maßnahmen, die ich konsequent mache:
Wiederanbordstrategien bei Nacht
Es gibt verschiedene Techniken, eine bewusstlose oder erschöpfte Person wieder an Bord zu bringen. Bei Nacht bevorzuge ich die Methoden, die wenige Manövriervorgänge und gute Licht-/Markierungsunterstützung benötigen.
Beliebte und praxisnahe Methoden:
Beleuchtungstechnik, die tatsächlich hilft
Im Dunkeln entscheidet Licht über Erfolg oder Misserfolg der Suche und Bergung. Ausrüstung, die ich selbst auf See nutze und empfehlen kann:
Kommunikation und Koordination
Bei Nacht ist die Funkkommunikation noch wichtiger. Ich vergebe klare, kurze Befehle: „Ruder hart Backbord“, „Trimmbaum runter“, „Licht an Person“ etc. Wenn mehrere Boote helfen, setze ich frühzeitig UKW-Kanal 16/72 für die Koordination ein.
Rettungsinseln, Rettungsflaschen und Schnittstellen zum Schiff
Der Begriff „Schnittstelle“ umfasst, wie Rettungsgeräte mit dem Schiff verbunden, ins Wasser gebracht und wieder integriert werden. Ich achte besonders auf:
| Gerät | Wichtige Schnittstellen/Checks |
|---|---|
| Rettungsinsel (Life Raft) | Starke, leicht erreichbare Auslösestellen, klare Ablegekonstruktion, zusätzliche Leinen um die Insel am Boot zu befestigen. Ich prüfe, ob die Liferaft-Container an Deck so montiert sind, dass das Öffnen bei Seegang möglich ist. |
| Rettungsflasche / Canister | Schnellzugriff, Auswurfmöglichkeit mit Leine. Manche Systeme (z. B. Ocean Signal rescueME PLB) haben integrierte Licht-/Strobofunktionen — das macht den Abwurf nachts effektiver. |
| RIB / Beiboot | Ein leichter Release-Mechanismus am Davit, Markierungen für sichere Längs-/Heckposition, Verbindungspunkte für Schlepptrosse. |
Ein konkretes Beispiel: Auf einer Überfahrt habe ich einmal eine Rettungsinsel auslösen müssen. Die Herausforderung war nicht nur das Auslösen, sondern die Befestigung an der Mutteryacht, damit die Insel nicht von der Strömung weggetrieben wurde. Seitdem erweitere ich meine Ausrüstung um zusätzliche Reepschoten und ein kurzes, schwimmfähiges Festmacher-Set, das an der aufblasbaren Insel befestigt werden kann.
Praktische Ausrüstungsliste für Nacht-MOB
Meine persönliche Checkliste, die ich auf allen Nachtfahrten mitführe:
Training und Routine: das Entscheidende
Technik ist nur so gut wie die Crew. Ich trainiere regelmäßig MOB-Manöver bei Dämmerung und Nacht, übe das Werfen von Leinen, das Ansteuern unter Sicht- und Instrumentenführung und die Kommunikation über Funk. Routine reduziert Fehler im Ernstfall.
Zum Schluss noch ein persönlicher Tipp: Halte die Nachtbeleuchtung an Bord so, dass sie schnell umgeschaltet werden kann — zu viel Licht blendet, zu wenig Licht verlangsamt die Suche. Ein gut durchdachtes Lichtmanagement, kombiniert mit einfachen, robusten Schnittstellen zu Rettungsinseln und RIBs, hat bei meinen nächtlichen MOB-Fällen den Unterschied gemacht.