Wie rette ich nachts bei man‑overboard: reboardingstrategien, lichttechnik und rema‑/liferaft‑schnittstellen

Wie rette ich nachts bei man‑overboard: reboardingstrategien, lichttechnik und rema‑/liferaft‑schnittstellen

Nachts einen Mann-über-Bord-Fall zu managen ist eine der stressigsten Situationen an Bord — ich weiß das aus eigener Erfahrung. Die Dunkelheit verschlingt Sicht, Geräusche sind gedämpft, und jede Sekunde zählt. In diesem Artikel teile ich meine erprobten Strategien zur Wiederanbordnahme, welche Beleuchtungslösungen wirklich helfen und wie Schnittstellen zwischen Rettungsinseln (Life Rafts) beziehungsweise Rettungsflaschen/-systemen und dem Schiff optimiert werden können. Ich schreibe aus der Perspektive des praktischen Seglers, der sowohl auf Küstenpassagen als auch bei Nachtüberfahrten unterwegs war.

Mein erster Reflex: Stoppen, notieren, markieren

Wenn jemand nachts ins Wasser geht, ist der erste Schritt immer gleich: Boot stoppen und die Position merken. Ich werfe sofort das Fahrwerk in Neutral, mache das AIS MOB oder markiere die Position im Plotter und werfe einen Kursanker (falls vorhanden). Egal wie hektisch die Situation ist — eine markierte Position erhöht die Chance, die Person schnell wiederzufinden.

Praktische Maßnahmen, die ich konsequent mache:

  • Zurück zum letzten bekannten Standort auf Kurs setzen (falls driftet: Gegenkurs halten).
  • MOB-Button am Plotter drücken (Garmin, Raymarine usw.).
  • Zeitmarke setzen und UTC/Ortszeit notieren.
  • Fender oder Rauch-/Leuchtkugel bereitstellen, um Punkt besser zu markieren.
  • Wiederanbordstrategien bei Nacht

    Es gibt verschiedene Techniken, eine bewusstlose oder erschöpfte Person wieder an Bord zu bringen. Bei Nacht bevorzuge ich die Methoden, die wenige Manövriervorgänge und gute Licht-/Markierungsunterstützung benötigen.

    Beliebte und praxisnahe Methoden:

  • Seitliche Ansteuerung mit Webleinen: Ich positioniere das Boot längs neben der Person mit minimaler Fahrt, sichere das Heck mit Leinen und nutze eine große Webleine (z. B. Rettungsschlinge mit Tauchgriff), um die Person an Bord zu ziehen. Vorteil: wenig komplexe Manöver; Nachteil: erfordert genug freies Heck und ruhiges Wasser.
  • Heckansteuerung mit Heck-Tau: Bei Segelyachten, wo Decksdurchgänge schmal sind, bringe ich eine Heckschlinge oder Rettungsleiter ins Wasser und steuere das Heck vorsichtig an. Eine stabile Heckplattform (Badeplattform) erleichtert die Bergung erheblich.
  • Fallway/Rettungsboot (RIB) nutzen: Wenn vorhanden, setze ich das Beiboot ein. Bei Nacht muss das RIB gut beleuchtet und die Crew geübt sein. Boot ins Wasser, Helm- und Rettungsweste für die Crew, klare Aufgabenverteilung (Steuermann bleibt in Verbindung mit Mutterschiff).
  • Beleuchtungstechnik, die tatsächlich hilft

    Im Dunkeln entscheidet Licht über Erfolg oder Misserfolg der Suche und Bergung. Ausrüstung, die ich selbst auf See nutze und empfehlen kann:

  • Hand- und Helmlichter mit Rot-/Weiß-Modus: Für die Person im Wasser sind grelle Weißlichter oft Blendung — ich nutze weiße Flutlicht-Modi zur Suche und rote Lichtmodi zur Orientierung ohne Nachtsehvermögen zu zerstören. Marke-Beispiele: Petzl SWIFT RL (Helmlampen), Fenix PD35 (Stirn-/Handlampen).
  • Suchscheinwerfer am Bug: Ein ferngesteuerter Suchscheinwerfer (z. B. Fusion, Raymarine SmartLight) mit Fernbedienung vom Cockpit aus ist Gold wert. Damit kann man die Person punktgenau anleuchten, ohne das Boot zu verlieren.
  • Leuchtbojen und Strobos: Ich habe immer mehrere wasseraktivierte Leuchtstrobos (z. B. Ocean Signal, Lifebuoy lights) dabei, die an Rettungsringen oder Personen befestigt werden. Diese Signale sind aus mehreren Seemeilen sichtbar und helfen Tauchern/Rescue-Teams bei der Lokalisierung.
  • Überdruckbare Schwimmsignal-Systeme: Produkte wie MOB-Throwables, die eine aufblasbare Leuchte/Boje liefern, erleichtern das Stabilisieren der Person im Wasser, bis man ankommt.
  • Kommunikation und Koordination

    Bei Nacht ist die Funkkommunikation noch wichtiger. Ich vergebe klare, kurze Befehle: „Ruder hart Backbord“, „Trimmbaum runter“, „Licht an Person“ etc. Wenn mehrere Boote helfen, setze ich frühzeitig UKW-Kanal 16/72 für die Koordination ein.

  • Notruf absetzen: MAYDAY oder PAN PAN je nach Situation, Schätzung der Position durch GPS-Koordinaten.
  • Ich weise jedem Helfer eine Aufgabe zu: Licht, Fängeline, RIB-Pilot, Kommunikation mit Rettungsleitstelle.
  • Rettungsinseln, Rettungsflaschen und Schnittstellen zum Schiff

    Der Begriff „Schnittstelle“ umfasst, wie Rettungsgeräte mit dem Schiff verbunden, ins Wasser gebracht und wieder integriert werden. Ich achte besonders auf:

    GerätWichtige Schnittstellen/Checks
    Rettungsinsel (Life Raft)Starke, leicht erreichbare Auslösestellen, klare Ablegekonstruktion, zusätzliche Leinen um die Insel am Boot zu befestigen. Ich prüfe, ob die Liferaft-Container an Deck so montiert sind, dass das Öffnen bei Seegang möglich ist.
    Rettungsflasche / CanisterSchnellzugriff, Auswurfmöglichkeit mit Leine. Manche Systeme (z. B. Ocean Signal rescueME PLB) haben integrierte Licht-/Strobofunktionen — das macht den Abwurf nachts effektiver.
    RIB / BeibootEin leichter Release-Mechanismus am Davit, Markierungen für sichere Längs-/Heckposition, Verbindungspunkte für Schlepptrosse.

    Ein konkretes Beispiel: Auf einer Überfahrt habe ich einmal eine Rettungsinsel auslösen müssen. Die Herausforderung war nicht nur das Auslösen, sondern die Befestigung an der Mutteryacht, damit die Insel nicht von der Strömung weggetrieben wurde. Seitdem erweitere ich meine Ausrüstung um zusätzliche Reepschoten und ein kurzes, schwimmfähiges Festmacher-Set, das an der aufblasbaren Insel befestigt werden kann.

    Praktische Ausrüstungsliste für Nacht-MOB

    Meine persönliche Checkliste, die ich auf allen Nachtfahrten mitführe:

  • Hand- und Helmlichter mit Rot/Weiß-Modus
  • Wasseraktivierte Leuchtstrobos und aufblasbare Leuchtbojen
  • Fängeline (danforth/throw-bag) und Rettungsschlingen
  • Rettungsleiter oder Hecksprossen (klappbar)
  • Mob-Button am Plotter und redundante GPS/PLB (z. B. ACR ResQLink, Ocean Signal)
  • Kurze Festmacherleine zum Sichern von Rettungsinsel
  • Docking-Vorrichtungen und Davits für RIB-Bereitstellung
  • Training und Routine: das Entscheidende

    Technik ist nur so gut wie die Crew. Ich trainiere regelmäßig MOB-Manöver bei Dämmerung und Nacht, übe das Werfen von Leinen, das Ansteuern unter Sicht- und Instrumentenführung und die Kommunikation über Funk. Routine reduziert Fehler im Ernstfall.

    Zum Schluss noch ein persönlicher Tipp: Halte die Nachtbeleuchtung an Bord so, dass sie schnell umgeschaltet werden kann — zu viel Licht blendet, zu wenig Licht verlangsamt die Suche. Ein gut durchdachtes Lichtmanagement, kombiniert mit einfachen, robusten Schnittstellen zu Rettungsinseln und RIBs, hat bei meinen nächtlichen MOB-Fällen den Unterschied gemacht.


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