Galvanische Korrosion ist an Bord ein unterschätzter, aber häufig auftretender Feind: kleine Ströme zwischen verschiedenen Metallen im Salzwasser fressen nach und nach Bauteile an, von Direktanbauteilen am Rumpf bis zu Propellern und Anoden. Mit einem einfachen Multimeter lässt sich viel herausfinden — und oft auch einfache Abhilfe schaffen, bevor teure Reparaturen nötig werden. In diesem Beitrag erkläre ich, wie ich galvanische Korrosion mit dem Multimeter entdecke und welche Schritte ich an Bord unternehme, um die Ursache zu finden und zu beheben.
Was ist galvanische Korrosion in Kurzform?
Bevor es an die Messungen geht, ein kurzer Reminder: Galvanische Korrosion entsteht, wenn zwei unterschiedliche Metalle über einen elektrisch leitenden Weg (z. B. Meerwasser) verbunden sind und es einen Potentialunterschied gibt. Das unedlere Metall wird dabei abgetragen. An Bord sind typische Kandidaten Propeller (Bronze), Wellen, Ruder, Opferanoden (Zink, Aluminium, Magnesium) und eingebaute Elektronikgehäuse.
Warum ein Multimeter?
Ein handelsübliches digitales Multimeter (z. B. Fluke, Velleman, UNI-T) liefert drei einfache Messarten, die mir helfen, galvanische Probleme zu erkennen:
Vorbereitung: Sicherheit und Werkzeuge
Bevor ich losmesse, nehme ich mir Zeit für Vorbereitung. Sicherheit geht vor:
Schritt 1: Referenzpunkt wählen
Ich wähle zuerst einen festen Masse- bzw. Referenzpunkt. Oft verwende ich die negative Batterieklemme (Batteriemasse), einen kontrollierten Massebus oder den Metallrumpf, falls dieser elektrisch erreichbar und sauber ist. Wichtig ist, immer denselben Referenzpunkt für alle Messungen zu nutzen.
Schritt 2: Gleichspannung zwischen Metallen messen
Mit dem Multimeter in DC-Spannungsmodus (mV oder wenige Volt-Bereich) messe ich die Spannung zwischen verschiedenen Metallteilen und der gewählten Masse. Typische Messungen:
Praktischer Ablauf: Schwarze Messleitung an die Referenz (Masse), rote Leitung an das zu untersuchende Metall. Werte über einigen Millivolt (z. B. >50–100 mV) sind bereits kritisch zu betrachten; Werte über 500 mV sind alarmierend.
| Gemessene Spannung (DC) | Bedeutung |
|---|---|
| <50 mV | Normal/kein akuter Potentialunterschied |
| 50–200 mV | Hinweis auf mögliche galvanische Ströme, beobachten |
| 200–500 mV | Erhöhtes Risiko — Ursachen suchen |
| >500 mV | Akuter Handlungsbedarf: wahrscheinlich korrosive Ströme |
Schritt 3: Durchgangsprüfung und Widerstandsmessung
Mit der Durchgangsprüfung prüfe ich, ob Metallteile elektrisch verbunden sind — bspw. Badeplattform mit Rumpf, Welle mit Motormasse etc. Ein piepton oder sehr niedriger Widerstand zeigt eine Verbindung. Manchmal finden sich unerwünschte Brücken (z. B. schlecht isolierte Kabel, Klemmstellen, montierte Metallteile).
Ich messe auch den elektrischen Widerstand zwischen Rumpf und einzelnen Metallteilen. Ein niedriger Widerstand (<1 Ω) bedeutet eine kräftige leitende Verbindung; wenn solche Verbindungen nicht beabsichtigt sind, können sie galvanische Ströme begünstigen.
Schritt 4: Fehlerstrom messen
Wenn ich einen Spannungsunterschied gefunden habe, messe ich den tatsächlichen Strom. Dazu verwende ich das Multimeter in Strommessung (Ampere) und führe die Messung in Serie mit der Verbindung durch — das erfordert unter Umständen, eine Leitung zu öffnen. Vorsicht: Viele günstige Multimeter sind für hohe Ströme nicht geeignet; ich benutze lieber eine Zange mit Strommessfunktion (z. B. Fluke i400 oder Uni-T Zange).
Fehlerströme im Bereich von milliampere (mA) können über lange Zeit trotzdem Schaden anrichten. Regel: Alles über einigen mA ist bedenklich und sollte untersucht werden.
Typische Fehlerquellen, die ich bei Törns gefunden habe
Wie ich konkret vorgehe, wenn ich ein Problem finde
Ich habe mir eine Reihenfolge angewöhnt:
Praxisbeispiel aus meinen Törns
Vor ein paar Jahren habe ich an einer Yacht einen permanenter Spannungsunterschied von ~350 mV zwischen Propeller und Rumpf gemessen. Sichtbar war nur eine leicht angelaufene Kupplung. Ich habe zuerst die Opferanode ersetzt — keine wesentliche Änderung. Durch gezieltes Trennen der elektrischen Verbindung zwischen Motor und Welle (temporär) sank die Spannung auf <30 mV. Ursache: leitende Verbindung durch Motorbefestigung und eine korrodierte Masseverbindung. Nach Reinigung, neuen Schrauben mit Kupferscheiben und einem zusätzlichen Isolierlager war das Problem gelöst.
Tipps für regelmäßige Kontrolle
Empfohlene Ausrüstung
Für die meisten Skipper reicht ein solides Digitalmultimeter (z. B. Fluke 117 oder ein günstigeres Modell wie Uni-T UT61). Für Strommessungen empfehle ich eine Zangenstrommessung (AC/DC) — damit vermeidet man das Öffnen von Schaltkreisen. Für dauerhafte Lösungen: Galvanic Isolator, Anoden in der passenden Legierung und ggf. Wellenisolatoren.
Mit einem Multimeter an Bord kann man viel erkennen und oft einfache Maßnahmen ergreifen, bevor aus kleinen Potentialen handfeste Probleme werden. Wichtig ist, regelmäßig zu messen, systematisch vorzugehen und im Zweifel professionelle Hilfe für komplexe kathodische Schutzsysteme oder größere elektrische Eingriffe zu holen.