An felsigen Küsten mit starker Strömung verhält sich das Ankern ganz anders als in geschützter Sandbucht. Aus eigener Erfahrung weiß ich: die richtige Kombination aus Kette, Leine und Haken/Fluke entscheidet, ob man ruhig liegen bleibt oder nachts hektisch den Anker neu setzen muss. In diesem Beitrag erkläre ich, wie ich die passende Ankerkombination berechne und auswähle — praxisnah und mit konkreten Zahlen, damit du sie an Bord sofort anwenden kannst.
Warum felsige Küsten und Strömung besondere Anforderungen stellen
Felsiger Grund bietet oft wenig tiefen Halt für klassische Fluke-Anker, gleichzeitig sorgt Strömung für hohe Belastungen am Ankerpunkt. Das Ergebnis: hoher seitlicher Zug, abrupte Richtungsänderungen und der Bedarf an sehr zuverlässiger Setztechnik. Ich priorisiere drei Dinge: Haltbarkeit des Ankers am Grund, Dämpfung durch Kette/Leine und Möglichkeit, bei Versagen schnell zu reagieren.
Welche Ankerart bei felsigem Grund?
Aus meinen Tests und vielen Törns empfehle ich bei felsigen Böden bevorzugt Anker, die greifen oder sich verhaken können:
Meine persönliche Präferenz für felsige Küsten mit starker Strömung ist ein gut konstruiertes Roll- oder Haken-Ankerdesign wie Rocna oder Mantus in passender Größe. Diese Anker haben oft eine hohe Haltekraft pro Kilogramm und greifen schnell.
Kette vs. Leine: welche Mischung?
Die Kette ist bei rauer See und felsigem Grund fast unverzichtbar. Sie hilft, den Anstellwinkel des Ankers niedrig zu halten, erhöht Reibung am Grund und dämpft Stoßbelastungen durch Wellen und Strömungsspitzen.
Für felsige Küsten verwende ich meist eine Kombination: mindestens 30–50% der benötigten Länge als Kette, Rest als Leine. Wenn Platz und Gewicht es erlauben, ziehe ich komplett auf Kette, besonders bei längeren Aufenthalten in starkem Strom.
Berechnung der Ankerkette/Leine-Länge (Scope)
Der Scope (Verholverhältnis) ist entscheidend: in ruhigem Wasser reichen 3:1 bis 5:1, aber bei Wellen und Strömung solltest du deutlich mehr einplanen.
Faustregel, die ich verwende:
Beispielrechnung: Meine Yacht hat eine Wantenlänge (Tiefgang + Höhe über Wasser) sodass ich bei einem Ankerplatz in 8 m Wassertiefe 8 m + 1–2 m Sicherheitszuschlag = 10 m effektive Tiefe annehme. Für 10:1 benötige ich 100 m Kette/Leine. Praktisch verwende ich oft 60 m Kette + 40 m Leine oder, wenn möglich, 100 m Kette.
Wie bestimme ich die Ankergröße?
Ankergrößen orientieren sich an der Bootsgröße bzw. Verdrängung. Herstellerangaben sind oft konservativ. Ich kombiniere Herstellerempfehlungen mit der erwarteten Belastung (Strömung, Wind). Für felsige Küsten wähle ich tendenziell eine Stufe größer als bei ruhigerem Revier.
| Bootslänge | Empfohlener Anker (Faust) | Meine Empfehlung bei felsig/strömung |
|---|---|---|
| 6–8 m | 6–10 kg | 8–12 kg (Rocna/Mantus) |
| 8–12 m | 10–20 kg | 15–25 kg |
| 12–16 m | 20–35 kg | 25–40 kg |
Rechenbeispiel — Zugkraft durch Strömung
Um eine Vorstellung der Kräfte zu bekommen, rechne ich die strombedingte Schubkraft näherungsweise so:
Schubkraft F ≈ 0,5 × rho × Cd × A × v²
Wobei rho ≈ 1025 kg/m³ (Meerwasser), Cd der Widerstandsbeiwert (angenommen 1.0 für Seitenfläche), A die seitliche projizierte Fläche der Yacht (m²) und v die Strömungsgeschwindigkeit (m/s).
Beispiel: Boot mit 30 m² Seitenfläche, Strömung 2 kn ≈ 1,03 m/s:
F ≈ 0,5 × 1025 × 1 × 30 × (1,03)² ≈ 16.300 N ≈ 1.66 t
Das bedeutet: Die Ankerkombination muss punktuell solche Kräfte aufnehmen und dauerhaft halten können. Kette und Ankerkralle müssen entsprechend robust dimensioniert sein. In solchen Fällen bevorzuge ich dickere Ketten (z. B. 8–10 mm für kleine Yachten, 10–14 mm für größere), und einen üppigen Anker.
Praktische Tipps zum Setzen an Felsen
Backup-Strategien
Bei starkem Strom und unsicherem Grund habe ich immer eine Backup-Option:
Checkliste vor dem Ankermanöver
Ich habe gelernt, dass Vorbereitung und konservative Entscheidungen Leben und Ruhe ersparen. Bei felsigem Grund setze ich lieber etwas mehr Kette und einen stärkeren Anker als nötig — die Sicherheitsmarge ist hier das A und O. Wenn du magst, kann ich dir auch eine kleine Excel-Vorlage bauen, mit der du anhand von Bootsdaten und erwarteter Strömung automatisch Kettenlänge und Ankergewicht berechnest.