Warum ich mich mit hausgemachten VHF‑Antennen und Splittern beschäftigt habe
Als leidenschaftlicher Segler und Technikbastler habe ich auf Törns immer wieder das gleiche Problem gesehen: Handfunkgeräte (Handy‑VHF) haben eine sehr begrenzte Reichweite, vor allem wenn das Gerät in der Plicht liegt oder die mitgelieferte Gummi‑Antennen nur suboptimal ist. Statt jedes Mal ein neues Markenprodukt zu kaufen, habe ich angefangen, mit einfachen Antennenaufbauten und Splittern zu experimentieren, um die Reichweite und Empfangsqualität zu verbessern — natürlich immer mit Blick auf Sicherheit und geltende Vorschriften.
Grundlagen: Was beeinflusst die VHF‑Reichweite?
Bevor ich an Werkzeuge und Lötkolben ging, habe ich mich auf ein paar Grundprinzipien besonnen, die jede Verbesserung beeinflussen:
Frequenzbereich: Maritime VHF liegt ungefähr bei 156–162 MHz. Antennen müssen auf diesen Bereich abgestimmt sein.Antennenlänge und Abstimmung: Eine Viertelwellen‑Antenne ist oft ideal — für 156 MHz entspricht das rund 48 cm.Antennenhöhe und Freisicht: Höher ist besser. Selbst wenige Meter können die Reichweite stark erhöhen.Polarisation und Stabilität: Vertikal polarisierte Antennen sind bei Seeverkehr Standard.Kabelverlust: Billiges Koax (RG‑174, RG‑58) kann bei höheren Längen deutliche Verluste bringen; LMR‑200/400 ist besser.SWR (Stehwellenverhältnis): Ein niedriges SWR sorgt für effiziente Übertragung und schützt den Sender.Einfacher, effektiver Bau: die selbstgebaute Viertelwellen‑Peitsche
Meine erste und meist effektivste Verbesserung war eine simple Viertelwellen‑Peitsche, die an den BNC/SMA‑Adapter des Handfunkgeräts kommt. So baue ich sie:
Materialien: 2–3 mm Edelstahlrundstab oder Kupferrohr, ein kurzes Stück RG‑174 (oder besser LMR‑200) mit passendem Stecker (BNC/SMA), Schrumpfschlauch, kleine Lötstellen, eventuell ein Gewinde‑Adapter (M5/M6) für Montage.Länge berechnen: Viertelwellenlänge in Metern = 75 / Frequenz(MHz). Für 156 MHz ≈ 0,48 m (48 cm). Ich schneide den Stab netto auf 47–49 cm und feile das Ende sauber.Aufbau: Ein Ende des Stabs mit einer Gegenplatte oder einer kleinen Schraube am Koaxinnenleiter befestigen (zwischen Innenleiter und Stab löten oder mittels Schraubverbindung). Außenleiter auf das Gehäuse des Steckers löten/pressen. Alles mit Schrumpfschlauch isolieren.Montage: Die Antenne vertikal montieren, möglichst hoch und frei von Metallflächen. Eine freie Peitsche (ohne Gegenmasse) arbeitet am besten in Verbindung mit einem großen Metallrumpf als Gegengewicht (das Boot selbst).Ergebnis: Schon diese einfache Antenne hat mir oft 20–50% mehr Reichweite gebracht, besonders beim Senden. Empfang war ebenfalls klarer, insbesondere für entfernte Stationen über Sichtlinie.
Variante: 5/8‑Wellen‑Antennen und Ground‑Plane
Wer noch etwas mehr Reichweite will, kann eine 5/8‑Wellen‑Antenne bauen oder einen Ground‑Plane‑Aufbau nutzen:
5/8‑Wellen: Etwas länger als die Viertelwelle (ca. 0,75 m bei 156 MHz). Diese Antennen haben in der Regel mehr Gain in Bodennähe, aber sind enger bezüglich Abstimmung und mechanischer Stabilität.Ground‑Plane: Vier Radialdrähte (je ca. 48 cm), die unter einem vertikalen Strahler in einem Winkel von 30–45° angebracht sind, schaffen ein Kontroll‑Gegengewicht. Das funktioniert besonders gut, wenn keine ausreichend große Metallstruktur (Bootsrumpf) vorhanden ist.Antennenkabel und Stecker: die oft unterschätzte Schwachstelle
Ich habe viele Tests mit verschiedenen Kabeln gemacht. Kurzfassung meiner Erfahrung:
Kurze Kabel (<1 m) zwischen Funkgerät und externem Antennenanschluss sind in Ordnung mit RG‑174, aber länger und bei höherer Leistung ist der Verlust spürbar.Für feste Montage oder längere Strecken LMR‑200 oder besser LMR‑400 verwenden. RG‑58 ist eine günstigere Zwischenlösung.Auf qualitativ passende Stecker achten: Handfunkgeräte nutzen oft SMA/BNC. Schlechte Adapter verursachen SWR‑Anstieg.Antennen‑Splitter für Handfunkgeräte: was geht und was nicht
Viele denken, man könne einfach zwei Handys an eine Antenne anschließen – das ist möglich, aber mit Vorsicht:
Passives T‑Verteiler: Ein einfacher Y‑Splitter ohne Isolation führt oft zu Leistungsverlust und kann Sender beschädigen, weil die Leistung des sendenden Geräts in das andere Funkgerät zurückläuft.Isolierte Splitter (richtige Coax‑Splitter): Kommerzielle 2‑Wege‑Splitter mit 50 Ω und ordentlicher Isolation (typisch 18–30 dB Isolierung) können zwei Empfänger betreiben. Für gleichzeitiges Senden von zwei Geräten sind mechanische Umschalter oder aktive Antennenschalter besser.Antenna‑Combiner/Power‑Splitter für Sendeleistung: Spezielle kommerzielle Combiner sind teuer und werden in der Regel in Profi‑Installationen genutzt. Für unsere Zwecke ist ein richtiger Antennenumschalter (Antenna selector switch) die sicherste Lösung: ein Gerät zurzeit senden, der Rest ist vom Antennenport getrennt.Meine Empfehlung: Wenn du zwei Handfunkgeräte nutzen willst, verwende einen hochwertigen Antennenschalter (z. B. ein mechanisches 2‑Way‑Switch von Shakespeare oder ein kleiner RF‑Umschalter). Nutze nur geprüfte Splitter, wenn klar ist, dass nur Empfang gleichzeitig erfolgen soll.
Messung, Abstimmung und Sicherheit
Wie teste ich meine Konstruktionen an Bord?
SWR‑Meter: Unverzichtbar, um zu prüfen, ob die Antenne korrekt abgestimmt ist. Ich messe bei 156,8 MHz (Kanal 16) und ziele auf SWR < 1,5.Dummy‑Load und kurze Tests: Beim ersten Sendetest immer eine Dummy‑Load nutzen, wenn Anpassungen erfolgen. Lieber kurz testen als Funkgerät riskieren.Reichweitentest: Ich dokumentiere Reichweiten gegenüber Referenzantennen (Gummi‑Antennen am Handgerät). Sichtlinien‑Tests (gegen Küstenstationen oder Schiffe mit bekannter Position) geben schnelle Vergleiche.Rechtliches: In vielen Ländern sind Sendeleistungen und Antennen nicht beliebig modifizierbar — auf See gelten Vorschriften. Ich achte darauf, die zulässige Sendeleistung nicht zu überschreiten und nicht in gebührenpflichtige oder lizenzpflichtige Dienste einzugreifen.Praxisbeispiele und meine Tests
Auf einem Mittelmeer‑Törn habe ich zeitweise von der OEM Gummi‑Antennen auf eine selbstgebaute Viertelwellen‑Peitsche gewechselt. Ergebnis:
| Konfiguration | Reichweite (Senden, geschätzt) |
| Handgerät mit Gummi‑Antennen | 3–5 NM (küstennahe Funkstationen schwächer) |
| Handgerät mit selbstgebauter 1/4‑W‑Antenne | 5–8 NM (klarere Übertragungen) |
| Handgerät via Kurzes LMR‑200 + Antennenschalter an externer Relais‑Antenne | 8–15 NM (je nach Höhe) |
Diese Zahlen sind praxisorientiert und variieren mit Höhe, Wetter und Seezustand — aber sie zeigen: selbst einfache Maßnahmen wirken.
Nützliche Marken und Werkzeuge
Handfunkgeräte: Icom IC‑M25, Yaesu FTA‑xx (Beispiele, keine Werbung, nur weil ich damit gute Erfahrungen gemacht habe).Antenne & Zubehör: Diamond (Antennen und Adapter), Shakespeare (Halterungen, Umschalter), LMR‑Kabel von Times Microwave.Messwerkzeug: SWR‑Meter (z. B. MFJ oder RigExpert), Dummy‑Load, Kompass/Apps für Positionstest.Wenn du willst, kann ich dir ein konkretes Bau‑Kit zusammenstellen (Materialliste, Zeichnung und Schritt‑für‑Schritt Anleitung) passend zu deinem Funkgerät. Sag mir Marke/Modell deines Handfunkgeräts und wie du die Antenne montieren willst (Plicht, Reling, Schleppmast) — dann rechne ich die Längen aus und gebe spezifische Tipps.